Meine künstlerische Laufbahn begann ursprünglich beim Film. Ich schrieb Drehbücher, führte Regie und arbeitete als Cutter. In dieser Zeit entdeckte ich vor allem eines: die enorme Kraft des Klangs. Mir wurde bewusst, wie subtil Töne die Emotionen und Empfindungen eines Publikums beeinflussen können. Gleichzeitig stellte ich fest, dass das klassische Geschichtenerzählen, wie es der Film verlangt, nicht meinem eigentlichen Interesse entspricht.
Aus dieser Erkenntnis heraus verlagerte sich meinen Fokus vollständig auf den Klang. Mich begann besonders die Frage zu beschäftigen, welche Empfindungen bestimmte Klänge auslösen. Ich nenne das heute die Psychologie der Töne und Klänge. In der freien Theater- und Kunstszene der 1990er-Jahre konnte ich erste Erfahrungen mit Klangräumen sammeln. Doch irgendwann wurde mir klar, dass meine Arbeit zu stark von Aufführungssituationen abhängig war. Ich wollte etwas schaffen, das eigenständig existiert.
So kam ich zur Skulptur, genauer gesagt zur Klangskulptur. Mein Ansatz ist dabei ungewöhnlich: Nicht die Form erzeugt den Klang, sondern der Klang führt zur Form. Ich entwickle Resonanzkörper, die ich in begehbaren Räumen installiere. Dieser Resonanzkörper, eine dünne Membrane von ca.2-4 mm, fertige ich in aufwendiger Handarbeit an. (Epoxidharz) Durch spezielle Lautsprecher werden sie in Schwingung versetzt.
Heute entstehen daraus Klangräume und Installationen, in denen Skulptur, Klang und Raum miteinander interagieren. Der Klang wird dabei selbst zu einem Material, das den Raum formt und unsere Wahrnehmung prägt. Meine Arbeiten können als Versuch gelesen werden, eine synästhetische Erfahrung zwischen Objekt, Klang und Raum zu inszenieren.
Im Zentrum meiner Arbeit steht nicht das Erzählen, sondern das Erleben. Ich möchte die Besucherinnen und Besucher dazu einladen, eigene Assoziationen zu entwickeln und sich auf eine sinnliche Erfahrung einzulassen – frei von vorgegebenen Bedeutungen.
Dabei spielt auch die Stille eine wichtige Rolle. Denn Stille existiert nur im Wechsel mit Geräuschen und Klang. In einer Welt, die ständig von Geräuschen erfüllt ist, geht uns diese Erfahrung zunehmend verloren. Doch gerade, wenn wir uns bewusst auf Stille einlassen, beginnen wir intensiver zu hören, zu sehen und letztlich auch besser zu verstehen. Meine Arbeit versteht sich daher als Einladung: die eigenen Sinne wieder zu öffnen und den Raum – und vielleicht auch sich selbst – auf neue Weise wahrzunehmen. 5.Mai 2026